Kommunikationspolitik: Werbung, PR, Verkaufsförderung, Social Media – die Instrumente
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Das Wichtigste in Kürze
- Kommunikationspolitik umfasst alle Maßnahmen, mit denen ein Unternehmen Informationen über sich und seine Leistungen an Zielgruppen sendet, um Wissen, Einstellung und Verhalten zu beeinflussen.
- Instrumente: klassische Werbung, Public Relations, Verkaufsförderung, Sponsoring, Messen und Events, Direktmarketing, Online- und Social-Media-Marketing, Corporate Identity.
- Ziele werden mit Stufenmodellen wie AIDA formuliert: Aufmerksamkeit, Interesse, Wunsch, Handlung.
- Mediaplanung: Reichweite, Kontakte, Streuverlust und Tausend-Kontakt-Preis entscheiden über die Kanalwahl.
Das beste Produkt zum passenden Preis am richtigen Ort nützt nichts, wenn niemand davon weiß. Kommunikationspolitik ist das P, das die meisten Menschen mit „Marketing“ gleichsetzen – und das in Lehrbüchern den größten Begriffsapparat hat. Hier die Ordnung.
Definition
Kommunikationspolitik umfasst alle Entscheidungen über die bewusste Gestaltung der Informationen, die ein Unternehmen an Kunden, Handel, Öffentlichkeit und Mitarbeiter richtet, um deren Kenntnisse, Einstellungen und Verhalten im Sinne der Marketingziele zu beeinflussen (nach Meffert). Sie beantwortet: Was sagen wir wem über welchen Kanal mit welchem Budget?
Die Instrumente
| Instrument | Was es ist | Stärke | Schwäche |
|---|---|---|---|
| Klassische Werbung (Above the line) | Bezahlte Botschaften in Massenmedien: TV, Radio, Print, Plakat, Kino | Reichweite, Markenaufbau | Teuer, Streuverlust, nachlassende Wirkung |
| Online-Werbung | Suchmaschinenanzeigen, Display, Video, Social Ads | Zielgenau, messbar, skalierbar | Wettbewerb um Aufmerksamkeit, Banner-Blindheit |
| Public Relations | Beziehungen zu Öffentlichkeit und Medien: Pressearbeit, Unternehmenskommunikation, Krisenkommunikation | Glaubwürdigkeit, günstig | Nicht steuerbar, langsam |
| Verkaufsförderung (Sales Promotion) | Kurzfristige Kaufanreize: Aktionen, Proben, Gewinnspiele, Displays | Wirkt sofort auf Absatz | Kurzfristig, kann Marke entwerten – ausführlich |
| Direktmarketing | Persönliche Ansprache: Mailing, E-Mail, Telefon, Newsletter | Messbar, individuell | Rechtlich eng (Einwilligung), Reaktanz |
| Sponsoring | Förderung von Sport, Kultur, Sozialem gegen Nennung | Imagetransfer, Sympathie | Wirkung schwer messbar |
| Messen und Events | Persönlicher Kontakt, Produkterlebnis | Intensiv, B2B-Leads | Teuer je Kontakt |
| Content- und Social-Media-Marketing | Nützliche oder unterhaltende Inhalte, Dialog mit Community, Influencer | Reichweite ohne Mediabudget, Vertrauen | Aufwand, Kontrollverlust, Kennzeichnungspflicht |
| Persönlicher Verkauf | Beratungsgespräch, Außendienst | Überzeugungskraft, Abschluss | Höchste Kosten je Kontakt |
| Corporate Identity | Einheitliches Erscheinungsbild (Design), Verhalten und Kommunikation | Wiedererkennung, Konsistenz | Kein Einzelinstrument, sondern Rahmen |
Ziele und Wirkungsstufen
Kommunikationsziele sind selten direkt Umsatz, sondern Vorstufen: Bekanntheit, Wissen, Einstellung, Kaufabsicht. Das klassische Stufenmodell ist AIDA – Attention (Aufmerksamkeit), Interest (Interesse), Desire (Wunsch), Action (Handlung). Modernere Modelle fügen Loyalty und Advocacy an oder beschreiben die Customer Journey als Kreislauf. Für die Planung heißt das: Jede Maßnahme bekommt eine Stufe und eine Kennzahl – Reichweite für Attention, Klicks und Verweildauer für Interest, Anfragen für Desire, Käufe für Action.
Mediaplanung: Reichweite, Streuverlust, TKP
Welcher Kanal für welches Budget? Die Mediaplanung rechnet mit Reichweite (wie viele Personen erreicht ein Medium), Bruttoreichweite (Summe aller Kontakte, Mehrfachkontakte zählen) und Nettoreichweite (erreichte Personen ohne Doppelzählung), mit dem Streuverlust (Anteil der Kontakte außerhalb der Zielgruppe) und dem Tausend-Kontakt-Preis (Kosten je 1.000 Kontakte). Ein Plakat an der Autobahn hat große Reichweite und riesigen Streuverlust; ein Fachmagazin kleine Reichweite und kaum Streuverlust. Die Begriffe mit Formeln stehen im Lexikon.
TKP = Kosten der Schaltung ÷ Bruttoreichweite × 1.000 · Streuverlust = Kontakte außerhalb der Zielgruppe ÷ Bruttokontakte
Integrierte Kommunikation
Die Instrumente wirken nur zusammen: gleiche Botschaft, gleiches Erscheinungsbild, abgestimmte Zeitpunkte über alle Kanäle. Das nennt sich integrierte Kommunikation – inhaltlich (eine Kernbotschaft), formal (Corporate Design) und zeitlich (Kampagnenplanung). Wer im Fernsehen Premium und auf Instagram Schnäppchen kommuniziert, verwirrt.
Rechtsrahmen
Das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb verbietet irreführende Werbung, aggressive Praktiken und unzumutbare Belästigung – E-Mail- und Telefonwerbung an Verbraucher braucht vorherige Einwilligung. Werbung muss als solche erkennbar sein (Kennzeichnung von Anzeigen, Influencer-Posts, Advertorials); die Preisangabenverordnung regelt Preiswerbung; der Deutsche Werberat setzt freiwillige Standards. Die Werbewirtschaft ist im ZAW organisiert, der jährliche Zahlen zu Werbeinvestitionen veröffentlicht.
Beispiel
Der Bio-Lieferdienst aus dem Mix-Beispiel hat 500 € für das erste Quartal. Ziel: 150 Erstbestellungen. Plan: Instagram-Anzeigen mit Umkreis-Targeting (300 €, Stufe Attention/Interest, Kennzahl Klicks), Flyer in zehn Kitas (100 €, Zielgruppe exakt, kaum Streuverlust), Marktstand mit Probierkiste (100 €, persönlicher Verkauf, Stufe Action), Empfehlungsprämie (Kosten erst bei Erfolg, Stufe Advocacy). Alle mit derselben Botschaft und demselben Design.
Prüfungswissen
Nenne sechs Instrumente der Kommunikationspolitik mit je einem Beispiel. Erkläre AIDA. Unterscheide Above the line (klassische Massenmedien) und Below the line (alle anderen, nicht-klassischen Maßnahmen). Berechne den TKP. Erkläre Streuverlust und nenne ein Medium mit hohem und eines mit niedrigem. Was ist integrierte Kommunikation? Rechtsrahmen: UWG (Irreführung, Belästigung, Einwilligung), Kennzeichnungspflicht.
Weiter mit dem vierten P: Distributionspolitik.
Häufige Fragen
Was gehört zur Kommunikationspolitik?
Alle Maßnahmen, mit denen ein Unternehmen Zielgruppen informiert und beeinflusst: Werbung, PR, Verkaufsförderung, Sponsoring, Messen, Direktmarketing, Online- und Social-Media-Marketing, persönlicher Verkauf – im Rahmen einer Corporate Identity.
Was bedeutet AIDA?
Attention, Interest, Desire, Action – ein Stufenmodell der Werbewirkung: Erst Aufmerksamkeit, dann Interesse, dann der Wunsch, dann die Handlung (Kauf). Jede Stufe braucht eigene Maßnahmen und Kennzahlen.
Was ist der Unterschied zwischen Werbung und PR?
Werbung ist bezahlte, vom Unternehmen kontrollierte Botschaft in gekauften Medienplätzen. PR ist die Pflege der Beziehungen zur Öffentlichkeit, vor allem über Medien, die selbst entscheiden, was sie berichten – glaubwürdiger, aber nicht steuerbar.
Quellen
- Meffert, H., Burmann, C., Kirchgeorg, M., Eisenbeiß, M.: Marketing. Grundlagen marktorientierter Unternehmensführung. Springer Gabler – https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-21196-7 (abgerufen 10.10.2026)
- Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG), gesetze-im-internet.de – https://www.gesetze-im-internet.de/uwg_2004/ (abgerufen 10.10.2026)
- Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) – https://www.zaw.de/ (abgerufen 10.10.2026)
- Preisangabenverordnung (PAngV) 2022, gesetze-im-internet.de – https://www.gesetze-im-internet.de/pangv_2022/index.html (abgerufen 10.10.2026)
- Munich Business School, BWL-Lexikon: Marketing-Mix – https://www.munich-business-school.de/l/bwl-lexikon/marketing-mix (abgerufen 10.10.2026)
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